Inspiration finden: Tips für Kreative

Wir sind ständig auf der Suche nach Inspiration, sei es um im Berufsleben bestehen zu können, oder aber auch um persönliche Vorhaben voran zu treiben. Inspiration ist essentiell beim Erschaffen von Dingen, essentiell wenn es darum geht, aus dem Nichts etwas zu formen. Eigentlich etwas Wunderbares, und doch entpuppt sich das Suchen und Finden von Inspiration immer wieder als schwieriges Unterfangen. Vielleicht sogar als die schwierigste Aufgabe im Leben eines kreativen Menschen, weil sie im Grunde nie abgeschlossen werden kann.

Historisch betrachtet wird Inspiration zumeist als plötzliche Eingebung oder spontane Erleuchtung beschrieben. Einige haben die Quelle ihrer Kreativität auch in Personen gefunden, die uns als Musen besser bekannt sind. Wie auch immer. Wer Inspiration einmal gefunden hat, hat schmerzvoll erfahren, dass dies noch lange nicht bedeutet, ewig davon zehren zu können. Inspiration ist nicht greifbar, schon garnicht steuerbar, und viel schlimmer noch, sie kann von einem Moment auf den anderen verbraucht oder verflogen sein. Ich habe gelernt, dass sich Inspiration nicht auf Knopfdruck heraufbeschwören, abrufen oder konservieren lässt. Eine ungemütliche Vorstellung? Nunja zugegeben, angenehm ist das natürlich nicht, aber es gibt ja auch eine durchaus positive Facette: Inspiration ist eine Vertrauenssache, nämlich Vertrauen in sich selbst.

Inspiration entsteht für mich aus vielen vereinzelte Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse. Isoliert betrachtet wirken diese Erfahrungen wahrscheinlich unscheinbar, in Kombination liefern sie aber womöglich den entscheidenden Impuls. Die unbewusste Kombination und Verknüpfung meiner Erfarungen bezeichne ich als die eigentliche Inspiration.

Eindrücke und Erfahrungen formen somit den Nährboden unserer Inspiration. Jeder Mensch hat folglich alles Notwendige in der Hand, um seine Inspiration zu fördern. Sie lässt sich zwar nicht lenken, geschweige denn beeinflussen, jedoch kann man sie gezielt nähren. Daher verstehe ich Inspiration als Vertrauen in sich selbst oder Vetrauen in das Repertoire an Erfahrungen und Erlebnissen eines Menschen. Inspiration ist ein Deckmantel für etwas, das tief verborgen in uns schlummert und eigentlich nur aktiviert werden muss. Leichter gesagt, als getan.

Magazine

Von hochwertigen Magazinen kann man auch gestalterisch sehr viel lernen
Magazine konsumiere ich quer durch die Bank und zu den unterschiedlichsten Themen: Computer Arts, Brand Eins, Geo, Neon, Business Punk, Zeit Wissen & Zeit Campus, National Geographic, De:Bug, the gap, Wallpaper – eigentlich alles, was mir in die Hände fällt. Wenn ich im Ausland bin, halte ich immer Ausschau nach Magazinen, die mich optisch ansprechen, auch wenn ich die Sprache vielleicht nicht verstehe. Für mich kommt es einerseits auf die Inhalte an, andererseits kann man von hochwertigen Magazinen auch gestalterisch sehr viel lernen. Mit Typografie, Layout, Gestaltungstrends, Farbpaletten und Fotoediting sind diese Magazine erprobt und entwickeln sich stets weiter. Dies ist sofort ersichtlich, wenn man die erste Seite aufschlägt. Magazine stillen nicht nur meinen Wissendurst zu den unterschiedlichsten Themenbereichen, sie bieten auch Nährboden für kreative Ideen.

Webdesign Galleries und Communities

Webdesign Galleries und Communities wie Dribbble, Flickr, Instagram, Colorlovers und Vimeo gehören zum Tagesablauf dazu. Ich betrachte sie als Trendbarometer, die den technologischen und gestalterischen Zeitgeist sehr gut abbilden. Viele vergessen allerdings, dass hier Lösungen für individuelle Aufgabenstellungen präsentiert werden, die man nicht 1:1 ummünzen und schon garnicht abkupfern sollte. Inspirierend ist hier nicht das Endergebnis, sondern der Weg dorthin bzw. die Idee und das Konzept dahinter. Hier lerne ich aber auch, gestalterisch neue Wege zu gehen, anders zu kombinieren und vor allem unkonventionelles Verknüpfen zu fördern.

Blogs und Apps

In Blogs steckt unglaublich viel Wissen und Persönlichkeit; Apps sind das Tor zur Welt, zumindest von der heimischen Couch aus betrachtet. Ich sammle RSS Feeds, hüte sie wie einen Schatz und erhalte damit Einblicke in die Denkweise anderer Menschen, Einblicke in Problemstellungen und Lösungen, Einblicke in Vergangenes, Brandaktuelles und Zukünftiges. Am iPad konsumiere ich diese Inhalte am liebsten via Flipboard. Fachblogs, persönliche Blogs und Themenblogs (ja, auch zu branchenfremden Themen) motivieren mich, Ideen weiter zu verfolgen oder bringen mich auf andere Gedanken.

Menschen

Menschen, die ein Funkeln in den Augen haben und vor Begeisterung sprühen, wenn sie von ihren Ideen reden (ohne sich dabei selbstverliebt zu inszenieren), faszinieren mich. In ihrer Gegenwart fühle ich mich kreativer und vom Tatendrang gepackt. Der Austausch mit Kollegen und Gleichgesinnten ist daher für mich essentiell. Ebenso essentiell sind die Ansichten von Menschen, die nicht in der gleichen Branche arbeiten und ein absolutes Muss um nicht betriebsblind und engstirnig zu werden.

Reisen & raus in die Natur

Reisen ist eines der besten Mittel um neue Eindrücke und frische Perspektiven zu gewinnen. Die Konfrontation mit dem Neuen und Unbekannten ist vorprogrammiert. Neue Sprache, neues Essen, neue Leute, neue Musik, neue Schriften, neue Mode, neue Farben. Ein dreiwöchiger Trip durch Südostasien ist dazu nicht unbedingt erforderlich, kurze Städtereisen und Tagesausflüge können den kreativen Geist auch ungemein beflügeln. Also, raus aus dem Alltag, Platz machen für neue Eindrücke, Fenster öffnen und frischen Wind herein lassen. Nicht selten bietet die Natur die schönsten Farbpaletten.

Bücher, Filme, Musik

Bücher, Filme und Musik sind Reisen im Kopf und ideale Mittel, um in fremde Welten abzutauchen. Das Schöne dabei ist, dass man beim Schließen des Buches oder nach Abspann des Filmes wieder auf der eigenen Wohnzimmercouch auftaucht. Sehr viel Zeit verbringe ich auch auf Designers.MX – hier finde ich immer etwas Wohltuendes für Augen und Ohren. Ein besonderes Faible habe ich für Bücher und Filme, die zum Nachdenken anregen und Platz für Interpretation lassen. Filme von Hayao Miyazaki, David Lynch, Darren Aronofsky, Pedro Almodóvar, Sofia Coppola und Jim Jarmusch eignen sich dazu hervorragend. Keep your mind busy!

Offtopic ist auch ganz nett

Design ist mein Herzblut, aber zugegeben, manchmal muss ich Abstand davon nehmen, um weiterzukommen. Jeder kennt die Situation, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und keinen roten Faden finden kann. Sehr unangenehm. Bisher konnte ich solchen Situationen gut vorbeugen, indem ich mir ganz bewusste Auszeiten nehme. Anfangs musste ich mich zwingen, mittlerweile zelebriere ich meine “Offtopic Zeiten”. Twitter, RSS und Facebook Apps bleiben geschlossen, um Dribbble, Vimeo, Webdesign Galleries und Instagram mache ich einen großen Bogen. Für mich ist das ein Ritual, mit dem ich das Grundrauschen heraus nehme, um besser fokussieren zu können.
Wenn man nach einem Wort sucht, fällt es einem doch meistens wieder ein, wenn man schon längst beim nächsten Thema ist. Durch Offtopic Zeiten steigere ich meine Produktivität, weil sie mir helfen, Ideen zu konkretisieren und den Fokus neu auszurichten. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass dadurch auch Zeit für Hobbies oder Sport bleiben kann.
Meine Geheimwaffe: Rubik’s Cube wirkt wahre Wunder, wenn ich mich bewusst von einem Thema oder einer Problemstellung abwenden möchte, um dann wieder besser fokussieren zu können.

Flohmärkte

Flohmärkte sind typografische Juwelen
Flohmärkte sind Zeitreisen und wahre typografische & gestalterische Fundgruben. Alte Bücher, Magazine, Bilder, Postkarten, Briefe, Drucke, Möbel – nicht selten findet man auf Flohmärkten typografische Juwelen, die einem ein Gespür für die damalige Zeit geben und von aktuellen Trends ablenken.

Routinen brechen

Ganz klar, gewisse Routinen gehören zum Alltag dazu, man muss es allerdings nicht übertreiben ;) Manchmal tut es ganz gut, Routinen und Regeln zu brechen, um aus festgefahrenen Denkmustern auszubrechen. Entscheidend ist, gewohnte Dinge aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Vielleicht mal einen Caffee Latte statt dem üblichen Espresso oder in der Mittagspause eine Runde spazieren gehen; auch wenn es draußen in Strömen regnet.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Inspiration zu finden, ist eine stetige Gratwanderung zwischen bewusstem Wahrnehmen und bewusstem Abschalten. Egal ob Offtopic oder branchenrelevant, es sind die bewussten Erfahrungen, aus denen ich meine Kreativität schöpfe. Stillstand, Routinen und Eintönigkeit sind Rückschritte. Für Berieselung ist die Zeit zu schade, denn ich muss meinen fachlichen Wissendurst stillen, das Gehirn mit frischen Ideen und Eindrücken füttern, aktuelle Trends im Gespür haben, über ausreichend Freiraum verfügen und letztendlich meiner Kreativität vertrauen. Keine einfache, allerdings immer eine sehr spannende Aufgabe,

Wie geht ihr mit dem Thema Inspiration um? Was macht ihr, um Inspiration zu finden, wie bleibt ihr inspiriert? Habt ihr bestimmt Rituale, Tips & Tricks? Wie geht ihr mit Blockaden um?

4 Reaktionen zu
“Inspiration finden: Tips für Kreative”

  1. Tom

    Wow, das hast du enorm gut geschrieben. Nice! Wenn’s nicht finster und kalt wäre (wobei das jetzt wieder ein Blockade ist ;-)) würd ich jetzt sofort raus wollen.

    PS: Ich will die Auto Touring mal in echt sehen!!!

  2. Matthias

    Großartiger Artikel Ines.
    Meine größte (indirekte) Inspirationsquelle ist Sport. Es ist verblüffend wie schnell sich Probleme lösen lassen oder wie leicht es einem fällt etwas aufs Papier oder den Screen zu bringen wenn man den Kopf frei hat.

  3. Nisa

    Ich kann Matthias nur zustimmen: Großartiker Artikelt! Wirklich. Das Thema “Inspiration” ist kein Einfaches, aber du hast es hier schon ziehmlich auf den Punkt gebracht.
    “Keep your mind open” ist mein persönlicher Leitsatz zu dem Thema. Bis jetzt hat das immer ganz gut funktioniert :D

  4. Ines

    Tom, Matthias, Nisa … Danke für eure Kommentare!

    @Matthias: Kann gut nachvollziehen, dass Sport eine indirekte Inspirationsquelle für dich ist. Habe mir grade vorgenommen, auch wieder mehr Sport zu machen!

    @Nisa: Ganz genau, man darf einfach nicht engstirnig werden, sonst ist auch kein Platz für neue Ideen vorhanden.

    @Tom: Sind schon ziemlich alt, ich glaube Jahrgang ’51, aber noch total gut erhalten. Richtige Schmuckstücke!

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